RUheute | 02-2020
Hiob
Die Leiderfahrungen sind vielfältig und die Menschen nehmen sie nicht einfach hin. Vielmehr fragen sie unweigerlich nach dem „Warum?“, nach einem Sinn in diesem Leid. Gläubige Menschen stellen die Frage nach Gott, nach seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit angesichts von unverschuldeter Not. Und sehr schnell zeigt sich, dass gängige Erklärungen in solchen Situationen existentieller Not nicht zu greifen vermögen, sich als viel zu einfach erweisen. Dies muss in seiner Lage auch Hiob erfahren, dessen Ringen um eine Deutung seines Leids die Bibel in immer wieder neuen Wendungen mit großer poetischer Kraft erzählt. In diesem Ringen, das selbst vor der Anklage Gottes nicht Halt macht, erweist sich Hiob als eine Identifikationsfigur für Leidende, deren Faszination sich in der vielstimmigen Auseinandersetzung mit ihr im Lauf der Geschichte erwiesen hat und die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat.