RUheute | 01-2020
Wahrheit
Die Suche nach Wahrheit treibt die Menschen um. Sie werden – wie es die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils formulieren – als mit Vernunft und freiem Willen begabte Personen geradezu von ihrem Wesen her gedrängt wie auch durch eine moralische Pflicht gehalten, die Wahrheit zu suchen, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben an den Erfordernissen der Wahrheit auszurichten (Vat II, DiH 2). Der Mensch ist demnach in seinem ganzen personalen Wesen auf Wahrheit hin ausgerichtet. Was aber ist Wahrheit? Oder anders: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Wahrheit sprechen, nach der Wahrheit fragen? Die Häufigkeit und Selbstverständlichkeit unserer Verwendung des Begriffs steht in einem merkwürdigen Kontrast zu der vielfältigen und vielstimmigen Diskussion darüber, was denn Wahrheit eigentlich sei. In dieser Diskussion zeigt sich, dass der Begriff der Wahrheit eine Vielfalt von Dimensionen bzw. Bedeutungsebenen umfasst. Die Frage nach der Wahrheit lässt sich nicht allein auf die Frage nach der Richtigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse bzw. Aussagen reduzieren, sie hat darüber hinaus auch eine existenzielle Dimension: In den Fragen etwa nach dem wahren Leben oder der Wahrheit des Lebens geht es um Fragen des Lebensstils und der Lebenshaltung des Menschen – um den richtigen Umgang des Menschen mit sich selbst und mit den anderen Menschen, ja letztlich um seine Haltung zur Wirklichkeit im Ganzen.